Gschnitztaler Höhenweg August 2026
Tag 1:
Der Auftakt – Über Bahn-Abenteuer zur Wohlfühloase
Unsere schwierigste Etappe stand direkt am Anfang unserer diesjährigen Tour: die Anreise mit der Deutschen Bahn in die Alpen. Natürlich lief nicht alles reibungslos und wir kamen mit einer deutlichen Verspätung in Steinach am Brenner an. Aber am Ende haben wir es glücklich überstanden.

Trotz der Verzögerung blieb uns noch genügend Zeit, um ganz entspannt vom Bahnhof den normalen Aufstieg zur Trunahütte in Angriff zu nehmen. Wir wählten die gemütliche Route von Steinach entlang des Gschnitzbachs bis nach Trins und wanderten von dort über den Forstweg hinauf zur Hütte. Bei bestem Bergwetter und strahlendem Sonnenschein konnten wir uns im einfachen Gelände perfekt für die nächsten Tage warmlaufen und den Aufstieg auf die 2.183 Meter hoch gelegene Hütte genießen.
Das absolute Highlight erwartete uns dann direkt an der Hütte: Obwohl wir nur Plätze im Matratzenlager vorbestellt hatten, bekamen wir ein Dreibettzimmer mit eigener Dusche, Toilette und frischer Bettwäsche – ein absoluter Wahnsinn! Aber nicht nur das: So einen netten, herzlichen und entspannten Hüttenwirt haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Eine wirklich tolle Hütte mit fantastischem Essen. Dass das kalte Bier und der deftige Zwiebelrostbraten nach dem Aufstieg überragend geschmeckt haben, muss ich wohl kaum erwähnen.
Da wir durch die Nachtanreise im Zug kaum Schlaf abbekommen hatten, fielen uns schon kurz nach acht Uhr abends die Augen zu. Wir sind sofort in einen tiefen, erholsamen Schlaf gesunken – bereit für die echten alpinen Herausforderungen, die ab morgen auf uns warten.
Tag 2:
Gipfelglück, Medienkompetenz und ein Wettlauf mit dem Wetter
Der Tag fing ein klein wenig ungewöhnlich an. Unser Zimmer hatte zwar eine eigene Toilette, aber dafür keine Tür. Es war schon gewöhnungsbedürftig, sich mit zwei Zuschauern dahin zu setzen und sein Geschäft zu erledigen. Aber was muss, das muss. Der großartige Eindruck, den der Wirt gestern auf uns hinterlassen hatte, bestätigte sich heute Morgen beim Frühstück. Er umsorgte uns, als wären wir in einem Fünfsternehotel, und es gab sogar extra Joghurt für mein Müsli. Pappsatt zogen wir schließlich von der 2.183 Meter hoch gelegenen Trunahütte los.

Nach einer Stunde Gehzeit über den Güterweg und den anschließenden Steig waren wir schon oben am 2.152 Meter hohen Trunajoch angekommen. Nicht allzu weit von dort gab es den ersten Abzweig, an dem man auf den ersten Gipfel steigen konnte, den Trunajoch-Gipfel. Da es dort einen Geocache gab, trennte ich mich von Ywi und Damian und stieg hinauf, während die anderen gemütlich die normale Route entlang des Grats oberhalb der Bergmähder weiterliefen. Wir waren uns nämlich unsicher, wie lange das gute Wetter noch anhalten würde, da für den Nachmittag Gewitter angesagt waren. Am Gipfel erwartete mich eine grandiose Aussicht. Nach kurzem Verschnaufen, einem Schlückchen Wasser und dem Eintrag ins Logbuch machte ich mich direkt an den Abstieg, um den anderen hinterherzujagen.
Noch kurz bevor ich zum Gipfel aufbrach, gab es eine kurze Diskussion bezüglich des weiteren Routenverlaufs. Mal wieder wurde mir schmerzlich vor Augen geführt: Stellt niemals die Medienkompetenz junger Leute gegenüber uns alten Säcken infrage! Natürlich hatte Damian recht. Es war überhaupt nicht möglich, nach dem Gipfel einen anderen Weg zur Hütte zu nehmen, als exakt denselben Weg wieder abzusteigen, den ich hochgekommen war. Aus Schaden wird man klug – ich werde ab sofort auf Damian hören und habe gelernt, dass eine Grenzlinie auf der Wanderkarte kein Wanderweg ist.
Bei schönstem Wetter kamen wir auf dem Tiroler Höhenweg über das 2.540 Meter hohe Gstreinjöchl extrem gut voran, sodass wir schon um halb zwei nachmittags an der Gschnitzer Tribulaunhütte im Sandestal auf 2.064 Metern ankamen. Ywi und Damian bestellten sich direkt ein verdientes Bier. Ich fragte sicherheitshalber erst beim Wirt nach, wann mit den Gewittern zu rechnen sei. Da dieser meinte, sie seien erst gegen 18:00 Uhr angesagt, war meine Entscheidung gefallen. Der 2.946 Meter hohe Gipfel des Gschnitzer Tribulaun ist von der Hütte aus in zweieinhalb Stunden zu erreichen. Ein bisschen neidisch schaute ich zwar auf das Bier der beiden, packte aber meinen Rucksack leer, steckte nur Wasser, Sonnencreme und vorsichtshalber die Regenjacke ein und machte mich auf den Weg.
Die Leute, die mir entgegenkamen, staunten nicht schlecht und schüttelten teilweise den Kopf. Auf halber Strecke überholte ich zwei Damen, die gerade vom Gipfel abstiegen. Sie meinten, es sei ganz schön mutig, um diese Uhrzeit noch hochzugehen. Das fand ich ein bisschen arrogant von ihnen, aber ich klärte sie direkt darüber auf, dass die Gewitter erst um 18:00 Uhr erwartet werden und ich spätestens um 17:00 Uhr mein erstes Bier unten auf der Hütte trinken würde.

Die erste Hälfte des Anstiegs zum Gipfel war deutlich schwieriger als die zweite, weil man sich durch ein endloses Geröllfeld nach oben arbeiten musste. Irgendwann wurde es felsiger, es kamen ein paar seilversicherte Passagen und man konnte bequem hochkraxeln. Die letzten 50 Höhenmeter waren am Ende eher ein entspanntes Spazierengehen als echtes Bergsteigen, da der Gipfel in eine sehr flache Kuppe ausläuft.
Als ich oben auf 2.946 Metern ankam, fühlte ich mich mit meiner Wetterannahme absolut bestätigt. Von einer schlechten Wetterfront war in der gesamten 360-Grad-Aussicht nichts zu sehen. Ich glaubte fast gar nicht mehr daran, dass es heute überhaupt noch gewittern würde. Schnell suchte ich noch den Geocache, den ich auch wirklich zügig fand. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass ich mich an vierter Stelle eintragen durfte – also nur knapp am Treppchen vorbei. Nach einer kurzen Pause und ein paar Schlucken Wasser begab ich mich glücklich auf den Rückweg zur Hütte.
Leider hatte ich mir zwischendurch irgendwo fiese Halsschmerzen eingehandelt, die mir später die halbe Nacht den Schlaf raubten. Auf der Hütte erwartete uns dafür aber ein absolut fantastisches Abendessen. Wir haben selten so gut auf einer Berghütte gegessen.
Tag 3:
Traumhafte Kulisse auf dem Jubiläumssteig und schmerzende Muskeln

Als ich heute Morgen aufwachte und die Leiter vom Bett hinunterstieg, wusste ich es schon: Oh oh, das war gestern einfach zu viel des Guten. Ich hatte mir einen ordentlichen Muskelkater eingehandelt. Schon auf der 2.064 Meter hoch gelegenen Gschnitzer Tribulaunhütte taten mir die Treppenstufen weh – an den bevorstehenden Weg mochte ich da noch gar nicht denken. Bergauf ging es später überraschenderweise ganz gut, aber das Bergablaufen war eine echte Qual und ging kaum noch. Damian wollte eigentlich, nachdem wir auf der 2.413 Meter hohen Bremer Hütte angekommen waren, noch auf einen weiteren Gipfel steigen. Ich musste wegen der Schmerzen aber leider passen, sodass er alleine letztendlich auch keine Lust mehr hatte. Gerne hätte ich ihn begleitet, aber ich war in dem Moment einfach nur froh, sitzen oder liegen zu können.
Der Weg an sich war heute allerdings absolut grandios. Der Jubiläumssteig, der uns von der Gschnitzer Tribulaunhütte zur Bremer Hütte führte, war wunderschön und unglaublich abwechslungsreich. Es war wirklich alles dabei: tolle, ausgesetzte Passagen, einige Kraxelabschnitte, dazu viel Stein und Schotter im imposanten Gelände zwischen den Felswänden. Trotz meiner Beschwerden haben wir den Tag in dieser Kulisse sehr genossen. Für die reine Tour braucht man regulär um die sechs Stunden. Wir haben uns sieben Stunden Zeit gelassen und zwischendurch gemütlich Pausen eingelegt.
Dadurch war es zwar immer noch recht früh am Nachmittag, als wir an der Bremer Hütte ankamen, aber für mich stand sofort fest: Ich mache heute keinen Finger mehr krumm. Ywi und Damian schlossen sich dem Entschluss an und wir verbrachten alle einen ganz ruhigen Rest des Tages. Auch auf dieser Hütte wurden wir wieder mit super leckerem Essen belohnt. Wegen meiner anhaltenden Halsschmerzen habe ich heute allerdings vernünftigerweise nur ein einziges Bier getrunken und bin ansonsten auf Tee umgestiegen.
Ich hoffe jetzt einfach inständig, dass der Muskelkater bis morgen nachlässt oder zumindest ein bisschen besser wird – und natürlich, dass auch die Halsschmerzen bald wieder verschwinden. Ich weiß echt nicht, was das gerade soll und wo ich mir das eingefangen habe.
Tag 4:
Klettersteig-Auftakt, ein stolzer Gipfelstürmer und internationale Gesellschaft

Ich hatte heute Nacht zwar keine Halsschmerzen mehr, dafür aber fiesen Schüttelfrost. Ich habe wieder kaum geschlafen und die ganze Nacht nur gefroren. Dementsprechend saß ich morgens auch als Erster unten im Frühstücksraum, weil im Bett liegen einfach keinen Sinn mehr machte. Mit einer Tasse Kaffee und meinem Buch wartete ich auf Ywi und Damian, bis wir schließlich ausgiebig zusammen frühstücken konnten. Damian beeilte sich beim Essen, weil er am Nachmittag unbedingt noch auf den 3.277 Meter hohen Habicht steigen wollte. Deswegen lief er ohne uns schon mal vor, während wir es nach dem Frühstück von der 2.413 Meter hoch gelegenen Bremer Hütte aus gemütlich angehen ließen.
Direkt am Anfang unserer Etappe querten wir einen einfachen, aber doch recht netten Klettersteig, der uns zum wunderschönen Lauterer See führt. Dort ließen es sich einige Wanderer nicht nehmen, ein erfrischendes Bad zu wagen. Mein Muskelkater war heute zum Glück nicht mehr so schlimm, auch wenn größere Schritte in den Oberschenkeln immer noch ganz schön wehtaten. Aber ich bin optimistisch, dass morgen wieder alles richtig gut läuft. Den ganzen Tag über ging es in ständigem Wechsel rauf und runter, während wir immer wieder steile Seitentäler ausliefen. Auch der Anteil an Kraxelpassagen war heute deutlich höher als in den vergangenen Tagen. Aus meiner Sicht wurde der Weg allerdings mit viel zu viel Eisen verschandelt – es gab extrem viele Stahlseile an Stellen, wo es gar nicht nötig gewesen wäre, und noch mehr Eisentritte. Aber gut, so ist der Stubaier Höhenweg eben für jedermann begehbar.

Ungefähr in der Mitte der heutigen Etappe stießen wir auf einen ganz kleinen, windgeschützten See. Wir mussten dort einfach kurz anhalten, weil in der Nähe ein Geocache versteckt war. Den Fund nahmen wir direkt als perfekten Anlass für eine ausgiebige Pause. Während der gesamten Tour boten sich uns fantastische Ausblicke – einerseits tief hinunter ins Tal, andererseits auf die umliegenden Gipfel. Da wir den einen oder anderen Berg in den letzten Tagen schon selbst bestiegen hatten, war es genial, sie jetzt noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten.
Obwohl wir wirklich sehr gemütlich unterwegs waren, kamen wir schon gegen 14:00 Uhr an der Innsbrucker Hütte auf 2.369 Metern an. Der Hüttenwirt erzählte uns direkt, dass Damian schon gegen Mittag da gewesen sei, seine Sachen abgestellt habe und bereits auf dem Weg zum Gipfel des Habichts sei. Wir setzten uns gemütlich in die Sonne, tranken ein Bier und warteten auf ihn. Kurze Zeit später kam Damian auch schon wieder den Berg herunter. Er strahlte über das ganze Gesicht und war sichtlich stolz auf seinen Gipfelerfolg. Zur Belohnung gab es erst einmal ein weiteres Bier für uns alle. Den restlichen Abend verbrachten wir in Begleitung von Brooke, einem jungen kanadischen Mädchen, das gerade alleine in den Alpen wandern ist. So bekam ich am Abend ganz nebenbei noch eine tolle Extra-Lektion in Englisch.
Tag 5:
Traumhafter Höhenweg, steiler Anstieg und Hüttengaudi mit alten Bekannten

Das Frühstück auf der 2.369 Meter hoch gelegenen Innsbrucker Hütte war heute leider recht mager. Zudem gab es pro Person nur eine einzige Tasse Kaffee und sonst nichts. Aber das war es dann auch schon mit dem Meckern, denn schon auf den allerersten Metern unseres Abstiegs war völlig klar: Das wird ein wunderschöner Tag. Bei fantastischem Sommerwetter stiegen wir vorerst hinunter ins Tal. Bereits auf diesem ersten Abschnitt begegneten uns einige Mountainbiker, die sich mit ihren E-Bikes den Weg hinaufarbeiteten. Direkt am Anfang der Wanderung schloss sich uns Laura an, die uns von da an den gesamten Tag über begleitete. Wir hatten ja schon in den letzten Tagen einige nette Unterhaltungen mit ihr geführt.
Unten im Tal liefen wir an einer kleinen Gastwirtschaft vorbei, die allerdings noch geschlossen hatte. Der dazugehörige, ausgesprochen unfreundliche Wirt verweigerte uns sogar kurz die Benutzung der Toilette. Das bestätigte mal wieder meine alte Annahme: Je tiefer man kommt, desto mehr Deppen gibt es eben. Nach knapp 100 Metern auf der Talstraße zweigte unser Weg dann nach rechts ab und führte steil nach oben ins Gelände. Es war ein recht anspruchsvoller Pfad mit vielen knackigen Kraxelpassagen, der zudem beständig steil anstieg. Der Aufstieg hat uns aber richtig großen Spaß gemacht.
Auf der 2.750 Meter hohen Silbersattel angekommen, legten Ywi und Laura eine kurze Pause ein. Ich und Damian nutzten die Zeit, um noch schnell die nahe gelegene, 2.840 Meter hohe, Kirchdachspitze zu erklimmen, wo wir glücklicherweise auch prompt einen Geocache finden konnten. Der anschließende Abstieg führte uns anfangs noch über recht felsiges Gelände, ging dann aber in sanfte, grüne Wiesen über und leitete uns schließlich gemütlich hinunter zum Padasterjochhaus auf 2.232 Metern. Dort wurden wir von einer äußerst netten Wirtin mit fantastischem Essen, kühlen Getränken und einer riesigen Portion Gastfreundschaft verwöhnt. Da wir mittlerweile fast alle Leute, die sich auf der Hütte einquartiert hatten, schon seit Tagen von den vorherigen Stationen kannten, wurde es ein unglaublich schöner und lustiger Abend. Für viele aus der Runde war dies der letzte Abend der gesamten Tour, weshalb zur gebührenden Verabschiedung natürlich auch der eine oder andere Schnaps spendiert wurde.
Tag 6:
Traumhafter Sonnenaufgang, anspruchsvoller Abstieg und Schalke-Territorium

Wir wurden bei einem fantastischen Sonnenaufgang wach. Wir hatten das große Glück, dass unser Schlafplatz im Padasterjochhaus direkt am Fenster lag, sodass wir wirklich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wurden – ein fantastisches Erlebnis. Nach dem tollen Essen gestern Abend war es kaum anders zu erwarten: Uns empfing ein sehr schönes Frühstück, das wir in aller Ruhe genossen haben. Danach wurde gepackt und die Zeit des Abschieds stand an. Damian nahm den Weg hinunter nach Steinach am Brenner, von wo aus er mit der Bahn wieder nach Hause fuhr. Laura stieg ebenfalls ab, während wir uns vorerst wieder in Richtung der 2.528 Meter hohen Hammerscharte orientierten, um von dort weiter zur Elferhütte zu gelangen.

Bei fantastischem Sommerwetter und strahlender Sonne stiegen wir zuerst wieder zur Hammerscharte auf. Dahinter ging es diesmal auf der Schattenseite des Berges hinunter ins Tal. Dass der Weg hinab so spannend werden würde, hatten wir überhaupt nicht erwartet. Es gab einige Kraxelpassagen und es führte teilweise echt ausgesetzt und steil nach unten, was uns aber einen Riesenspaß gemacht hat. Im Tal angekommen, landeten wir direkt an einer Gastwirtschaft und ließen es uns natürlich nicht nehmen, eine kurze Rast einzulegen. Während ich mich für einen frischen Joghurt entschied, bestellte Ywi einen erfrischenden Holundersaft.
Der anschließende Weg hinauf zur Elferhütte war völlig unspektakulär. Das war im Vergleich eher ein Spaziergang als eine echte Wanderung. Irgendwann, etwa eine halbe Stunde vor dem Ziel, kamen wir an der Bergstation der Seilbahn vorbei. Ab dort waren plötzlich sehr viele und teilweise recht komische Leute unterwegs, sodass wir uns schon ein bisschen Sorgen machten, wie es wohl auf der Hütte werden würde. Tatsächlich fuhr die letzte Bahn aber um 17:00 Uhr hinunter ins Tal und ab 16:00 Uhr waren wir zusammen mit nur sechs anderen Gästen die einzigen Leute im ganzen Haus.
Wir wurden auf der 2.080 Meter hoch gelegenen Elferhütte mit leckerem Essen verwöhnt, konnten uns ausgiebig mit dem Wirt unterhalten und haben natürlich das eine oder andere leckere Getränk zu uns genommen. Die Hütte bietet wirklich grandiose Aussichten über das Stubaital. Für uns war es außerdem super lustig zu sehen, dass an jeder Ecke und Kante Schalke-Aufkleber klebten. Man merkte sofort, dass das hier absolutes Schalke-Gebiet ist. Der Verein schlägt nämlich unten im Ort jedes Jahr sein Sommer-Trainingslager auf. Im Großen und Ganzen war es kein anstrengender, aber ein sehr schöner Tag.
Am Ende des Tages haben wir uns noch dazu entschlossen, dass ich morgen den Umweg über den Elferklettersteig mache und die 2.505 Meter hohe Elferspitze besteigen werde, während Ywi gemütlich direkt hinunter zum Ort läuft, wo wir uns dann wieder treffen. Der Abstieg entpuppte sich für sie als eine äußerst schöne, entspannte Wanderung durch ein traumhaftes Wäldchen bis hinunter ins Tal nach Neustift. Das gleiche galt für meinen anschließenden Aufstieg zur Starkenburger Hütte. Kurz hinter der Ortschaft wartete Ywi auch schon auf mich und wir stiegen gemeinsam gemütlich zu der auf 2.237 Metern gelegenen Hütte auf. Hier verbrachten wir den Abend in gemütlicher Runde mit netten Leuten am Tisch.
Tag 7:
Gemütliches Hangwandern, Regenschirme im Hochgebirge und internationale Tischgesellschaft

Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der 2.237 Meter hoch gelegenen Starkenburger Hütte ging es für uns ganz gemütlich los in Richtung der Franz-Senn-Hütte. Leider hatte ich heute Nacht überhaupt nicht gut geschlafen. Meine Erkältung hatte wieder voll zugeschlagen, und ich musste nachts sogar aufstehen und ins Badezimmer gehen, um meine Atemwege irgendwie freizubekommen. Zu allem Überfluss spürte Ywi heute auf den ersten Metern zum ersten Mal fiese Achillessehnenschmerzen. Ganz anders als in den vergangenen Tagen konnte man heute entlang der Strecke ziemlich viele Leute sehen. An einer Weggabelung nutzten wir jedoch die erste Gelegenheit, um uns ein bisschen von den Massen abzukapseln, und bestiegen den 2.659 Meter hohen Gamskogel. Der kleine Abstecher hat sich gelohnt, denn oben konnten wir auch direkt einen Geocache finden.
Die Wetterprognose für heute war eigentlich nicht ganz so toll, aber das Wetter zeigte sich am Ende doch viel besser als erwartet. Die Sonne setzte sich mehr und mehr durch, und wir liefen gemütlich und ohne große Anstrengung an den Berghängen entlang, wobei wir fast immer auf derselben Höhe blieben. Immer wieder querten wir dabei ganz kleine Schluchten. Währenddessen machten sich bei Ywi die Schmerzen immer bemerkbarer – im Laufe des Tages zog sich die gereizte Sehne wie eine feurige Schlange am hinteren Fuß hinauf, was das Gehen nicht gerade erleichterte. Ich war an diesem Tag aber auch wirklich heilfroh, dass die Etappe überhaupt nicht anstrengend war. Nach dem gestrigen, ziemlich fordernden Tag mit weit über 2.000 Höhenmetern in den Beinen kam mir ein etwas ruhigerer Lauf wegen meiner Erkältung extrem gelegen.
Gegen 13:00 Uhr zog dann ein kleiner Schauer auf, und wir kamen nach sieben Tagen auf Tour doch tatsächlich noch in den zweifelhaften Genuss, unsere Regenponchos einzuweihen. Nach einer guten halben Stunde war der Spuk aber auch schon wieder vorbei und die Sonne schien erneut. Ziemlich lustig war in diesem Moment, dass ich zum ersten Mal im alpinen Gelände jemanden mit einem ganz normalen Regenschirm herumlaufen sah.
Gut zwei Stunden vor unserem Ziel kamen wir an der bewirtschafteten Seducker Hochalm vorbei. Wir kehrten allerdings nicht ein, weil sie gerade recht voll war. Zweimal hatten wir im weiteren Verlauf noch den Eindruck, als ob es gleich wieder anfangen würde zu regnen, aber das Wetter hielt sich. So stiegen wir schließlich bei schönstem Sonnenschein hinunter zur Franz-Senn-Hütte.
Schon gut zwei Stunden bevor wir an der Hütte ankamen, konnten wir sie unten im Tal liegen sehen. Der Weg dorthin bot uns noch die eine oder andere spektakuläre Überschreitung einer Schlucht. Abends auf der 2.147 Meter hoch gelegenen Hütte hatten wir einen Holländer und zwei Mädchen aus England mit am Tisch sitzen. So konnte ich zum Ausklang des Tages direkt noch einmal ein bisschen an meinem Englisch feilen. Für morgen is leider sehr schlechtes Wetter angesagt – mal schauen, wie wir da durchkommen werden.
Tag 8:
Planänderung im Sonnenschein und spontane Flucht nach Bozen

Da die Wetterprognose für heute nicht wirklich prickelnd war und wir zudem Rücksicht auf Ywis überdehnte Achillessehne nehmen mussten, beschlossen wir schweren Herzens, die geplante Bergetappe vorerst wegzulassen. Stattdessen machten wir uns an den Abstieg von der Franz-Senn-Hütte hinunter ins Tal. Kurioserweise liefen wir dann ganz bequem bei eigentlich sehr schönem Wetter abwärts, was nach den düsteren Vorhersagen am Morgen fast schon wieder eine kleine Ironie des Schicksals war.
Eigentlich wollten wir uns nur einen Tag unten in Neustift ausruhen und die Tour anschließend wieder fortsetzen. Aber die anhaltenden Fußschmerzen und die anhaltend schlechten Wetteraussichten ließen uns umplanen. Wir nahmen unten im Tal den Bus nach Innsbruck, von wo aus wir dann mit dem Zug weiter nach Bozen gefahren sind. Leider gab es hier in der Stadt so gut wie gar keine freien Hotelzimmer mehr. Am Ende waren wir einfach nur glücklich, dass wir ein Hotel etwas außerhalb und für leider den doppelten Preis für eine Nacht noch erwischt haben. Ab morgen haben wir dann ein deutlich günstigeres und ziemlich zentrales Zimmer im Hotel Schwarze Katz bekommen. Da es in der Nähe unseres heutigen Hotels weit und breit nichts gab, machten wir uns auf dem Zimmer nur noch ein kleines Abendbrot und fielen dann hundemüde ins Bett.

Hinter uns liegt eine Woche voller Kontraste, atemberaubender alpiner Kulissen und unerwarteter Wendungen. Von den ersten sonnigen Schritten im Gschnitztal über den anspruchsvollen Jubiläumssteig bis hin zu den wolkenverhangenen Gipfeln des Stubaitals hat uns diese Tour alles abverlangt – und uns gleichzeitig reich beschenkt. Auch wenn das Wetter und eine hartnäckige Achillessehne uns am Ende zu einer spontanen Planänderung und der Flucht ins sonnige Bozen gezwungen haben, blicken wir auf ein rundum gelungenes Abenteuer zurück.
Das absolute Herzstück und größte Highlight dieser Tage war jedoch die gemeinsame Zeit mit Damian. Es war eine riesige Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung, Ausdauer und Leichtigkeit er die Berge bezwungen hat. Ob er uns nun beim Kartenlesen mit seinem digitalen Durchblick alt aussehen ließ, uns mit seinem stolzen Strahlen nach dem erfolgreichen Alleingang auf den 3.277 Meter hohen Habicht ansteckte oder einfach als verlässlicher Laufpartner voranging – Damian hat diese Tour bereichert. Auch wenn sich unsere Wege am Padasterjochhaus trennten und wir die Reise ohne ihn im Süden fortsetzen mussten, bleibt die gemeinsame Zeit in den Bergen das schönste Souvenir dieser Reise.